Head-Oben
Koboldwork-Logo
Anmeldung
Pflanzen und Tiere zum Kennenlernen

Aktuelle Informationen und Neuigkeiten

Ich schreibe hier in der Ich-Form. Mit dieser Rubrik möchte ich euch "wahre Tiere und wahre Pflanzen" aus der Region näher bringen - nicht aus dem Fernsehen. Diese Tiere wurden von uns "bei uns" beobachtet und sind Teil unserer Landschaft und Heimat - es lohnt sich für sie zu kämpfen. Für mich ist das ebenfalls eine Reise, da ich mich bei jeder neuen Entdeckung ebenfalls näher mit der Pflanze oder dem Tier beschäftige.

Nur das was man kennt, kann man schützen. Deshalb starten wir hier eine kleine Initative, um euch einige interessante Tiere und Pflanzen zu zeigen und warum sie bei uns und nicht woanders vorkommen. Desweiteren versuche ich eine Verbindung zu aktuellen Projekten oder Themen zu machen.

Eine Bitte: bei Fehlern einfach melden, wird dann korrigiert! Und ich bin auf euer Feedback gespannt.

Viel Spass beim Kennenlernen, Ralf




Juli 2018: Der Grasfrosch ist Lurch des Jahres 2018

Der Grasfrosch (Rana temporaria) ist bei uns heimisch und grösster Vertreter der sogenannten Braunfrösche. Dieses Exemplar konnte ich bei unserem Betontrog bei Fritz Huber (Geburtshelferprojekt) kürzlich entdecken. Ein Pracht-Exemplar. Grasfrösche sind ausserhalb der Laichzeit nachtaktiv und werden bis zu 10 Jahre alt. Das Weibchen laicht bei uns als erstes Mitte/Ende Februar einen Laichballen mit 700-3000 Eiern. Es wurden bis zu 300 Grasfrösche bei der Krötenzaunstellung auf der Höhne gezählt.

Was tun wir? Wir haben einige Tümpel angelegt, wo der Grasfrosch laicht. Ausserdem haben wir ein kleines Biotop (Uli Schmidt´s Biotop) auf dem Golfplatz, welches wieder als Laichgewässer hergestellt werden soll. Nachdem die untere Naturschutzbehörde der Pflege zugestimmt hat, habe ich am 27.07. die Bestätigung von Golfmanager Ulf Gräfe erhalten, dass der Golfplatz das im Rahmen seiner Golf&Silber Zertifizierung übernimmt - tolle Sache!



Juni 2018: 7-Moore Erlebnispfad

Im Juni war ich mal wieder auf dem 7-Moore Weg wandern. Leider ist er durch eine autobahnähnliche Holzrückestrasse zu einem Drittel zerstört worden, dort möchte eigentlich keiner mehr wandern. Schade, dass man das bei uns nichts nachhaltig pflegen und erhalten kann. Dieser Themenweg ist neben dem Murgtal-Erlebnispfad eigentlich einer unserer interesantesten Wege überhaupt.

Warum sind die Klein-Moore so wichtig im oberen Hotzenwald? Sie sind Rückzugsgebiete einer einzigartigen Moor-Flora und -Fauna, sogenannte Relikt-Arten, die seit der Eiszeit sich an diese Orte zurückgezogen haben. Es sind meist isolierte Vorkommen von Pflanzen und Tiere, die es eigentlich viel lieber kälter haben wollen (z.B. der weißbindige Mohrenfalter - Erebia ligea, siehe Foto). Diese Arten werden es beim Klimawandel besonders schwer haben. Deshalb sollten wir ihnen nicht noch zusätzlich zusetzen.

Am Strassenrand findet man einige Orchideen. Die häufigsten die nun geblüht haben, war das gefleckte und das Fuchssche Knabenkraut. Sie können nur an der Länge der mittleren Blütenlippe unterschieden werden.
Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata)
Fuchssche Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii)
Knabenkräuter am Straßenrand

Juli 2018: Steinbruch Wickartsmühle

Durch unserer Geburtshelferkröten-Schutzprojekt bin ich häufiger im Steinbruch Wickartsmühle. Bei der letzten Begehung haben wir diese Heuschrecke mit blauen Flügeln gesehen.

Es handelt sich um die Blauflügelige Sandschrecke, die auf Pionierstandorte vorkommen kann. Mindestgröße für eine Population beträgt 150m2. Sobald die Vegetation zunimmt verschwindet sie wieder. Sie kann gut fliegen. Rote Liste BW: 2 (Stark gefährdet).

Juli 2018: Zarter Gauchheil und Kleines Helmkraut

Beide Pflanzen sind konkurrenzschwach und brauchen Licht. Sie sind wahrscheinlich Relikte der Wässer-Wiesen, die in den 50-60er Jahren aufgegeben wurden. Es handelt sich um die letzten Vorkommen im Hotzenwald. Nur durch gezielte Pflege, d.h. Freischneiden und Freistellen können die wenigen Vorkommen erhalten werden. Das ist nich einfach und verlangt einiges an Know-how.
Zarter Gauchheil im blühenden Zustand. Foto aus meinem Garten.
Fanfare: Das ist er - der zarte Gauchheil aus unserem einzigen Naturschutzgebiet. 0.1% der Fläche - ist das wirklich zuviel?
Das kleine Helmkraut - So sieht es im blühenden Zustand aus - Foto aus meinem Moor-Beet
Toll - ich konnte einen neuen Standort vom kleinen Helmkraut finden und melden!

Oktober: Flora in der Umgebung von Burg Wieladingen

Wir sind vom Schwarzwaldverein vor kurzen bei der Burg Wieladingen gewesen. Dort kommen interessanterweise 2 Pflanzenarten vor, welche eigentlich auf kalkhaltigen Böden wachsen. Es ist zum Einen die Haselwurz (Asarum europeum) und zum Anderen das ausdauernde Silberblatt (Lunaria redivia). Beide Pflanzen sind auch für den Naturgarten sehr interesant.

Vor Jahren ist mir die Haselwurz schon an der Burg aufgefallen, diese Pflanze hat sehr schöne glänzende Blätter und lässt sich im Garten unter Sträucher pflanzen. Sie wächst langsam aber deckt den Boden schön ab. Die Blüten sind versteckt unter den Blättern. In Deutschland gibt es einige Unterarten, welche sich in Bezug auf das ätherische Öl unterscheiden lassen. Die Blätter haben eine wunderschöne nierenförmige Form. Der Schwarzwald mit seinen kalkarmen Böden wirkt hier für die von Osten eingewanderte Art als nicht zu überwindende Barriere. Für unseren Quadranten 83/13 ist sie in dem botanischen Grundlagenwerk Baden-Württembergs noch nicht beschrieben. Der Standort unterhalb der Ruine scheint basenreich zu sein.


Auf der anderen Seite wächst das ausdauernde Silberblatt im Schluchtwald unterhalb der Burg hin zur Murg. Das ist wirklich erstaunlich, da die Pflanze nur sehr punktuell bei uns vorkommt. Im Donautal oder in der Wutachschlucht auf Kalk kommt sie dagegen häufig vor. Sie heisst auch Mondviole, blüht im Mai bis Juli. Die Bestäubung erfolgt insbesondere auch durch Nachtfalter und sie verströmt einen parfümartigen Geruch in der Nacht. Die Blätter sind herzförmig. Das ausdauernde Silberblatt ist einer meiner Lieblingspflanzen im Naturgarten. Ich habe sie unter Bäumen im Schatten - wirklich ein Geheimtipp.