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Erläuterungen:

(1) Waldformen

Die Waldform des Eichen-Schälwaldes am Solfelsen entsprach einem kurzumtriebigen (i.d.R. max. 40 Jahre) Niederwald, der hauptsächlich aus Eichen und Rotbuchen im Oberbestand und darunter als Füllholz aus Hainbuchen, Linden, Erlen und Ulmen bestand. Der Wald wurde periodisch kahlgeschlagen und verjüngte sich ausschließlich durch Stockausschläge (Adventiv-Knospen unter der Rinde im Stockbereich) Dieser Eichenschälwald stellt in der hiesigen Umgebung ein kulturgeschichtliches Dokument dar.
Eine Übergangsform zum heutigen Hochwald ist der Mittelwald. Dabei handelt es sich um Reste von Mittelwaldungen, die durch Pflanzung bzw. natürlichen Samenanflug, insbesondere von Nadelbäumen (Tannen, Fichten, Kiefern und Lärchen) aufgewertet wurden. Diese Waldform ließ eine längere Umtriebszeit zu, die mit höheren Holzqualitäten und somit besseren Preisen verbunden war.
In den Gebieten, die sich bereits dem stufenweisen Abfall zum Hochrheingebiet nähern, besonders im Bereich des Landhags, befinden sich ausgedehnte natürliche Laubholzmischwälder mit Rotbuchen (Fagus sylvatica), Eichen, Bergahorn, Linden und Kirschen sowie Eichen. Eine Besonderheit stellen die Hainbuchen (Carpinus betulus) dar, deren Stämme nicht so glatt sind wie bei der Rot-Buche, sondern leistenartige Wülste aufweisen.
Hier tritt das Nadelholz immer mehr zurück. Die Buschflora nimmt zu, auch die Bodenpflanzen sind artenreicher vertreten: Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Waldveilchen (Viola reichenbachiana), Einbeere (Paris quadrifolia), Waldmeister (Galium odoratum), Erdbeere (Fragaria vesca), stellenweise Maiglöckchen (Convallaria majalis) sowie viel Gräser und anderes.
Die übrigen Waldgebiete des Hotzenwaldes bestehen aus Nadel-, Laub- Mischwäldern wobei sich zu den vorher beschriebenen Arten Fichte = Rottanne (Picea abies), Tanne = Weißtanne (Abies alba) und die Kiefer (Pinus silvestris) hinzugesellen. Weitere Baumarten sind beim Lehrpfad „Vorwaldverwerfung" benannt.
Als Plenterwald bezeichnet man einen Gemeinde- oder Bauernwald, der in voller Entfaltung mit allen Baumarten jeden Alters bestockt ist. Er ermöglicht es bei einer geordneten Wirtschaftsweise, fortlaufend für den Hof das notwendige Bau- und Feuerholz zu schlagen. Selbstverständlich sollte auch noch etwas für den Verkauf übrig bleiben, denn der Wald wurde gerne auch als die Sparkasse des Bauern bezeichnet. Die stärksten und mächtigsten Tannen (Holländertannen) wurden zum Zwecke der Hafenbefestigung und den Schiffsbau bis nach Rotterdam geflößt. Im Tausch wurden Handelsgüter (Stoffe, Schmuck und Möbel) zurückgebracht.Auf den Flößen waren ganze Familien bis zu 3 Monaten unterwegs.

(2) Köhlerplätze

Vermutlich vom 13. Jahrhundert an bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts bildete die Köhlerei im vorderen Hotzenwald eine der Grundvoraussetzungen für die Eisenwerke (Eisenschmelzen und Hammerwerke) im Tal. Auch die im 13. und 14. Jahrhundert nachweisbare Glasindustrie (Glashütten, Bergalingen, vermutlich auch Hütten) war auf die Holzkohle angewiesen. Da die Holzkohle vom Energiegehalt her viel ergiebiger war als trockenes Holz (1 Ster Holz ergibt 70 kg Kohle), verlegte man sich auf die Erzeugung dieses Brennmateriales. Mit der geringeren Menge war der Transport so bedeutend leichter zu bewerkstelligen.
Bemerkenswert erscheint hier der Hinweis auf die riesigen Mengen von Holz, die eingeschlagen wurden. Zur Produktion einer Gewichtseinheit Eisen, musste die 20-fache Menge an Holz eingesetzt werden. Die Eisenwerke des Hammerbundes am Hochrhein haben zwischen 1494 und 1743 mindestens 1,9 Mio. t Holz verbraucht.
Zur Herstellung der Holzkohle wurden Meiler (Rundmeiler) angelegt, wobei um einen oder mehrere Mittelpfähle, die als Stützen dienten, und von wo aus der Meiler auch später angebrannt wurde, die meist drei Fuß (etwa 90 cm) langen Holzscheite möglichst eng aufgeschichtet wurden. Mehrere Lagen (bis drei) wurden so übereinander zur Mitte hin geschichtet, wobei die halbkugelige Form der Meiler zustande kam. Der Meiler wurde schließlich mit Stroh überdeckt und mit Erde, Lösch, und Grassoden dicht abgeschlossen. Meist wurde in halber Höhe ein Steg angebracht, der dem Köhler zur Kontrolle des Kohlvorganges als Trittbrett diente. Der Meiler wurde schließlich über die Mittelpfähle angebrannt und kohlte langsam von oben nach unten allseitig durch. Dabei musste der Meiler während der ganzen Kohlzeit, die sich je nach Größe der Meiler zwei bis vier Wochen hinzog, Tag und Nacht überwacht und der Verschwelungsvorgang durch Öffnen und Schließen kleiner Stellen im Erdmantel reguliert werden. Offene Flammen durften dabei keinesfalls entstehen, da sie zum einen das Holz zu Asche verbrannten, zum anderen zu gefürchteten Waldbränden führen konnten.Nach einigen Tagen des Abkühlens konnte der Meiler geöffnet und die Holzkohle mit langen Rechen ausgezogen werden. Die Holzkohle wurde in sogenannten Kohlkratten zu den Hüttenwerken getragen oder hingekarrt.
Alljährlich wird in Rickenbach zu Schauzwecken ein Kohlenmeiler abgebrannt, um das alte Handwerk der Köhlerei zu zeigen.

(3) Die Wallmauer

Die Wallmauer war ein Teil der großen Befestigungsanlagen, die der Wanderer im ganzen Hotzenwald antreffen kann. Manche der auch als „Letzen", „Hauensteiner Letze", „Großer Landhag", „Hinterhag" oder „Vorderer Landhag" bezeichneten Wehranlagen bestanden bereits im Basler Krieg 1445¬49. Die Wallmauer wurde vermutlich im 15. Jh. gebaut, immer wieder erneuert und verbessert. Sie bestand aus unbehauenen Blöcken von Albtalgranit, die als Trockenmauer lose aufeinander gesetzt waren. Der Verteidigungswall ist bis zu 2 m breit und bis zu 1,70 m hoch. Dahinter befand sich ein Laufgraben. Im Verteidigungsfall war er mit Soldaten und wehrhaften Bauern besetzt. Die Wallmauer sollte den immer wieder von Westen anrückenden Feinden die Einnahme des Hauensteiner Landes verwehren. Letztmalig wurde sie während der Spanischen Erbfolgekriege (1701-14) vom Hauensteiner Landfahnen besetzt. Aus jener Zeit stammt auch das Epitaph (Grabtafel) des österreichischen Hauptmanns von Keil in der Pfarrkirche von Rickenbach.
Als Anschluss an die Wallmauer beginnt bei Jungholz der Landhag, welcher über die Egger Säge bis zum Strahlbrusch in der Murgschlucht verläuft. Teilweise bestand der Landhag nur noch als Graben oder Weg, teilweise aus Palisaden oder hölzernen Pfählen, umgestürzten Bäumen und wurde als „Verhack" bezeichnet.

(4) Harnische

Diese entstehen, wenn es zu Bewegungen innerhalb eines festen Gesteinsverbandes kommt; wenn solche Bewegungen sich ruckartig vollziehen, spüren wir dies an den dabei entstehenden Erdbeben. Es sind ungeheure Kräfte, die durch mechanischen Abrieb an den Trennflächen feinsten Gesteinsstaub produzieren, der sich nachträglich zu einer schwärzlichen Masse verfestigen kann. An den Harnischen lässt sich der Bewegungssinn der einzelnen Schollen zueinander rekonstruieren, denn das eine Ende des Rutschstreifens ist flach und glatt, das andere meist scharfkantig ausgebildet.

(5) Mineraliensammlung

Im Foyer des Rathauses in Rickenbach befindet sich eine Mineraliensammlung mit Gesteinen des Hotzenwaldes und des Südschwarzwaldes. Sie wurden der Gemeinde Rickenbach als Leihgabe von Hasan Disdarevic und Georg Keller freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Daneben lagern in dem Schaukasten auch Teile von Bohrkernen, welche bei den Probebohrungen der Schluchseewerk AG zur Errichtung ihrer Werksanlagen erbolut wurden. Eine der Proben stammt aus dem Bohrkern Nr. 104 welche in Egg auf 101 - 107 m abgeteuft wurde.

Literaturverzeichnis:

Ivanschitz, Peter;
Metz, Rudolf.
Schluchseewerk AG;
Gemeinde Rickenbach:
Impressum:

Geologische Diplomarbeit 1983
„Geologische Neukartierung des westlichen Hotzenwaldes im Bereich Rickenbach östlich Wehr im südlichsten Schwarzwald"
Geologische Landeskunde des Hotzenwaldes, 1980
Das Kraftwerk Hottingen im Murgtal
Rickenbach
Die Geschichte der Einung, des
Kirchspiels und der Gemeinde


Herausgeber:
Redaktion und Gestaltung:
Photos: Gemeinde Rickenbach
Georg Keller
Christof Berger 1
Rosa Jägle-Kern 1
Peter Ivanschitz 10
Werner Gebhardt 1
Wolfgang Adam 1
Schluchseewerk AG 1


Die Anlegung der Lehrpfade sowie die Herausgabe dieser Broschüre wurde uns durch eine Zuweisung des Landes Ba¬den-Württemberg
sowie durch Spenden von den Firmen Sparkasse Hochrhein, Waldshut Schluchseewerk AG, Freiburg Kraftübertragungswerke Rheinfelden AG, Rheinfelden
Weißenberger, Großkücheneinrichtungen, Laufenburg
und des Verkehrsvereins Rickenbach
ermöglicht.
Wir danken ganz herzlich für die Unterstützung